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Tag 3

Die Schnecke hat sich ein wenig aus ihrem Schneckenhaus heraus getraut :-)

Ich weiß nicht wieso, aber heute war ich wesentlich mutiger und vor allem geselliger als in den vergangenen 2 Tagen :-)

Heute war aber auch allgemein ein guter Tag.

In der Früh gleich mal Cross Trainer ausprobiert - 10 Minuten am Tag genügen für die Ungeübten wie mich ;-) bloß nicht überanstrengen, war die Botschaft der Physiotherapeutin. Danach ein paar Minuten auf so einem Balance-Ding. Leider weiß ich nicht, wie es heißt, das ist so eine Scheibe, die nach unten hin zuläuft ... Ist echt super zum "innere Mitte finden" und "Gleichgewicht halten" - sowohl körperlich, als auch psychisch! Im Anschluss gabs Ergotherapie. Ich hatte ja absolut überhaupt keine Ahnung, was das ist und was man da so macht, aber stellt euch vor, die wollen hier mit mir basteln und malen und werken und so Zeugs. Finde ich super.

Ich hab ja gesagt, ich will mich neu (er)finden, und da ist ausprobieren wahrscheinlich unumgänglich. Malen zum Beispiel. Ich hatte in meiner Jugend einen Zeichen-Lehrer, der sehr gemein zu fast allen Schülern war (er war so ein "unverstandener Künstler" ...) und der hat mir das Leben zwei Schuljahre lang zur Hölle gemacht und mir immer und immer wieder gesagt, wie unbegabt ich bin, ich sei absolut unkreativ und ich könne weder zeichnen noch malen. Ergo ... wäre ich im Leben nicht drauf gekommen, dass Malen etwas ist, was mir Freude machen könnte. Meine Therapeutin zu Hause hat mich mal mehr oder weniger dazu "genötigt". Es geht nicht um Perfektion, sondern um Ausdruck. Sie gab mir die Aufgabe, zwei Bilder zu malen. Eines, wie es jetzt in mir drin aussieht, ein zweites, wie ich möchte, dass es aussehen soll. Meine erste Reaktion war "Ich kann gar nicht malen!" Aber sie sagte, ich solle es trotzdem machen ... ich behaupte, ich bin nach wie vor keine talentierte Malerin, aber es macht mir hin und wieder echte Freude, den Pinsel in die Hand zu nehmen und loszulegen. Ich gestehe, es sieht am Schluss immer völlig anders aus, als ich es mir vorher eigentlich vorgestellt hatte, aber das macht nichts. Es muss nicht perfekt sein. Das ist ganz wichtig. Es soll Freude machen, und ein Weg des Ausdrucks sein. Und oft kommen wirklich auch sehr spannende Dinge dabei heraus, mit denen man nicht gerechnet hat.

 Morgen gibt's dann Ergo-Therapie in der Gruppe, da darf ich mir dann ein Projekt aussuchen! Bin sehr gespannt was es wird - ich werde euch natürlich berichten.

Nach dem Mittagessen gabs "Bewegung Basis" ... eine leichte Turnstunde, kann man sagen. Vor dem Sport hier hatte ich mich ursprünglich ein wenig gefürchtet, weil ich wirklich NULL Kondition habe. Aber das war ganz easy und sogar wirklich angenehm. Es waren heute leichte Kraftübungen dran, mit so einem Aerobar (das ist so ein lustiger Schwingstab), dann mit kleinen Hanteln (0,5 kg) und mit einem Ball. Bewegung kann doch (wieder) Spaß machen - wenn man keinen Leistungssport draus macht, das heißt gleich von 0 auf 1000, so wie ich es halt gewohnt war/bin.

In der Autonomen Gruppe - das ist eine Gruppensitzung ohne Therapeut - haben wir heute darüber gesprochen, was wir in unserem "Seelenhaus" haben möchten, und was nicht. Also Liebe, Wärme, Geborgenheit, Freiheit, ... wollten wir haben, und Ärger, Wut, Streit und sowas halt nicht. Und dass man aufpassen muss, was und wen man bei der Tür hinein lässt. Diese Übung hat zu einer ziemlichen Grundsatzdiskussion geführt. Zunächst habe ich mich, was mich sehr verwundert hat, ziemlich eingebracht, ich war schnell wieder an mein altes Ich erinnert. Muss alles wissen, muss am meisten wissen, muss die Beste sein ... das fühlt sich sehr komisch an. Aber ich bin schon mal ein kleines bisschen stolz, dass ich es überhaupt bemerke und wahrnehme. Bei dieser Diskussion habe ich mich dann ausgeklinkt, weil ich begonnen habe, mich zu ärgern und - wie für mein altes Ich üblich - die "Moderation" zu übernehmen. Ich hab mich zurück genommen und geatmet. Vielleicht hätte ich das in meinem alten Leben öfters mal machen sollen. Aber wie heißt es so schön? Nachher ist man immer gescheiter.

Bei der psychosozialen Gesundheitsförderung ging es um Achtsamkeit. Soll ich euch was sagen? Ich hatte Recht. Die machen hier absichtlich alles besonders langsam und mit Ruhe. Das, was mich so wahnsinnig macht, machen die bewusst, denn eines der Ziele ist, wir sollen auch langsamer werden. Im Prinzip weiß ich ja, dass sie damit Recht haben, und an der Stelle soll auch mal gesagt werden, die wissen hier wirklich, was sie tun, Hut ab! Also RUNTER VOM GAS. Das wird ein langer Weg für mich. Aber ich werde mich hier wirklich vorbehaltslos auf alles einlassen, denn DAS IST MEINE CHANCE, Leute.

Ich würde mir wünschen, dass mein Blog mit den detaillierten Beschreibungen auch anderen hilft. Vielleicht kann ich jemandem die Angst vor einem Reha-Aufenthalt nehmen. Vielleicht genügt es einem anderen auch, sich einfach nur Anregungen heraus zu nehmen und selbst damit zu arbeiten. Oder wieder ein anderer stößt hier vielleicht auf Verständnis und fühlt sich bestärkt. Das wäre wirklich schön. Drum lesen, abonnieren, weitersagen, teilen, ... ich danke euch!

Morgen wird super, ich freue mich schon wahnsinnig drauf: In der Früh "Reha-Orientierung", danach Ergotherapie (wo ich mir eben ein Projekt aussuchen werde), dann Visite und zum Abschluss noch eine ZEN-Meditation. Das wird echt cool!

Außerdem setze ich mich jetzt schon mehr und mehr zu den anderen auf den Gängen zum Plaudern dazu - habe aber immer meinen Rückzugsort, wenn mir danach ist. Hier fragt auch keiner. Und das schönste ist, niemand wertet, niemand urteilt. Hier ist ein Ort, wo du sein darfst, wer und wie du bist. Das ist echt schön

Liebe Freunde und "Follower",

bis morgen alles Liebe,

eure Marie-Valerie

11.2.15 20:14

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