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Tag 1

Puh, das war ein Tag.

Nachdem ich mich bis halb vier morgens wach im Bett herum gewälzt habe, hat um fünf Uhr der Wecker geläutet. Abfahrt 6 Uhr.

Es hat gestürmt, es hat geschneit ... Gott sei Dank musste ich nicht selbst fahren. Ich wäre wohl nie angekommen.

 Im Reha-Zentrum angekommen, wurde ich sofort zum Pflegestützpunkt geschickt, wo auch gleich das erste Aufnahmegespräch stattfand.

Schwester Hannelore stellte mir viele Fragen, die üblichen halt, wie es mir geht, ob ich freiwillig hier bin, wie es mit Job ist, wie das familiäre bzw. soziale Umfeld ist. Ob ich Allergien habe oder Operationen hatte ... Einen Vertrauenskontakt und der Abgleich mit meiner Handynummer "falls sie mich suchen müssen" ... ja, wer nicht dreimal täglich beim Essen erscheint, wird gesucht. Finde ich aber gut, denn schließlich geht es hier allen Patienten - oder eigentlich Klienten, wie wir hier liebevoll genannt werden - ziemlich beschissen, und da ist es schon ganz gut, wenn auffällt, dass man fehlt.

Danach durfte ich mein Zimmer beziehen. Klein, aber fein. Ich habe auf Anraten meiner Selbsthilfegruppen-Kollegen viele persönliche Dinge und Deko-Zeugs mitgenommen, um mich hier heimelig einrichten zu können. War ein guter Rat. Ich habe einen kleinen Fernseher im Zimmer, ein kleines Badezimmer mit Toilette, Waschbecken und Dusche, einen kleinen Schreibtisch, einen großen Kasten, ... alles was man braucht eigentlich. Leider kein WLAN. Ich sitze hier in der "Bibliothek", hier stehen zwei PCs mit Internet-Anschluss. Ich glaube, das machen die, damit man hin und wieder "raus muss". Damit man sich nicht in seinem Zimmer einigelt. Aber ich habe ein Einzelzimmer (hier gibt es nur Einzelzimmer) GOTT SEI DANK!!!

 Um zehn Uhr hatte ich dann das zweite Aufnahmegespräch mit der Fachärztin. Die wollte es dann schon genauer wissen, Medikamente, Dosierungen, Krankheiten in der Familie, Selbstmordgedanken, ...und die allgemeinen Lebensumstände natürlich.

Es sind hier wirklich alle sehr nett und bemüht und ich muss mich echt daran gewöhnen, dass man hier einfach SEIN darf. Die Schwester Hannelore hat auch gesagt "Hier geht es nicht um Leistung! Hier verlangt niemand etwas von Ihnen. Sie sind hier sicher und dürfen hier einfach SIE sein." Wow. Eigentlich klingt das so einfach, aber dass das für uns Burn Out'ler etwas ist, was absolut außerhalb unseres Vorstellungsbereiches liegt, ist unglaublich.

Ich weiß, sechs Wochen klingen furchtbar lang, aber ich hab so das Gefühl, dass die im Flug vergehen werden. Ich fühle mich jetzt schon ziemlich wohl. Vor allem will ich jetzt mal herausfinden, was ICH zu SEIN bedeutet. Ein Abenteuer, auf das ich mich einlassen werde.

Nach dem Mittagessen (es ist komplett ungewohnt für mich, dreimal täglich, und vor allem regelmäßig zu essen ...) habe ich mich eine Stunde aufs Bett gelegt und bin tatsächlich eingeschlafen. Zwar hatte ich mir vorsichtshalber einen Wecker gestellt, den hab ich aber nicht gehört  :D

Scheinbar funktioniert aber meine innere Uhr doch noch, denn ich bin 15 Minuten vor meinem nächsten Termin - Infoveranstaltung Pflegedienst - aufgewacht und war zwar verschlafen aber pünktlich anwesend. Außer mir waren noch 4 weitere Frauen, die heute Früh angekommen sind und wir wurden von Schwester Daniela (??) durch das ganze Haus geführt - da habe ich auch diesen Raum hier entdeckt - und es wurden so Dinge wie Ausgehzeiten, Heimwochenenden, Schweigepflicht und so weiter erklärt und besprochen. Außerdem wurden wir für den elektronischen Akt fotografiert - bei 120 Patienten, nein falsch KLIENTEN, eine sinnvolle Idee :-)

Beim Abendessen - jeder hat hier seinen eigenen, fixen Platz, mit Tischkärtchen und so - habe ich dann Sylvia (??) kennen gelernt. Sie dürfte heute Nachmittag angekommen sein, und obwohl sie um einige Jahre älter ist als ich, haben wir doch sehr schnell einen Draht zueinander gefunden. Es ist interessant, aber auch die Tatsache, dass man hier offen über die Krankheit reden "DARF" ist auch neu für mich. Hier wird man nicht schief angeschaut und oder verurteilt. Das ist schön. Auch wird man nicht bevormundet, man muss sich halt nur an die Regeln halten und lernen, um Hilfe zu bitten und sie auch anzunehmen. Aber es wurde heute mehrmals betont "wir sind KEIN Krankenhaus" ... finde ich gut.

 Und jetzt noch mein absolutes Highlight: DIE TEE-BAR

Ist sooooo einfach, aber für mich der Wahnsinn: einen Wasserspender, der heißes Wasser gibt, Teegläser, und 10 verschiedene Tee-Sorten. Hurraaaaa!

Ich meine, ich habe zwar selbst extra einen Wasserkocher und Tees mitgenommen, aber diese Tee-Bar ist schon eine echt tolle und praktische Sache.

So, das waren mal die Eindrücke von meinem ersten Tag.

Morgen 6.30 Uhr Tagwache, 7.30 Frühstück, 8 Uhr Infoveranstaltung Ernährungsberatung.

Und dann geht's gleich voll weiter. Morgen lerne ich auch meine BT (=betreuende Therapeutin) kennen.

Muss mich auch noch erkundigen, ich habe Aushänge von Yoga, QuiGong und so coolen Sachen gesehen,  das will ich auch versuchen :-)

Werde jetzt noch ein bisschen stricken gehen

Bis morgen, meine Lieben!

eure Marie-Valerie 

2 Kommentare 9.2.15 19:11, kommentieren

Hallo liebe Leser!

Ich fahre morgen für 6 Wochen auf Reha ... ich bin vor 7 Monaten am Weg in die Arbeit zusammen gebrochen, Diagnose Burn Out, Depressionen, Panikattacken. Das volle Programm.

Vorgestern war ich bei meinem Vertriebsdirektor vorgeladen und habe die Kündigung erhalten.

Eigentlich wäre ich erst im Mai auf Reha gefahren, aber letzten Dienstag wurde ich angerufen, ich könnte schon jetzt kommen. Dass das Gespräch in meiner Arbeit jetzt noch davor war, war im Endeffekt das Beste, was mir passieren konnte. Ja klar, ich bin aus allen Wolken gefallen. Ich war immer loyal, hab mir den A*** aufgerissen, habe alles und jeden, inklusive meiner 13jährigen Tochter vernachlässigt, habe mehr geleistet als das restliche Team zusammen ... und das ist der Dank dafür. Ich habe mich gedemütigt gefühlt. Ich bin gekränkt und enttäuscht. Ganz ehrlich.

Irgendwo, ganz tief in mir drinnen, ist ein kleiner Teil, der weiß, dass es das beste ist, was mir passieren konnte, aber jetzt stehe ich da und weiß nicht, wohin. Also wohin ich gehen soll.

 

Solange ich denken kann, habe ich immer "gut funktioniert". Und mich selbst dabei vergessen. Und teilweise passiert mir das heute noch. Aber durch die Therapie lerne ich Schritt für Schritt, besser auf mich Acht zu geben, meine Prioritäten anders zu setzen.

 

Ganz kurz über meine Person: ich bin 34 Jahre alt und habe eine 13jährige Tochter. Außerdem zwei Katzen, meine Süßen. Mann gibt es keinen in meinem Leben, also zumindest keinen an meiner Seite.

Die letzten 5 Tage habe ich wieder gemerkt, was für tolle Freunde ich habe. Sie haben mit mir Listen geschrieben, organisiert, eingekauft, hergerichtet, eingepackt, Auto beladen, Wohnung geputzt und morgen bringen mich zwei von ihnen in das schöne Oberösterreich. Ohne sie hätte ich mich in den vergangenen Tagen bestimmt aufgehängt. Aber immer waren sie da und haben mich aufgefangen. In den letzten 5 Tagen, und auch in den 7 Monaten.

 

Ich finde es immer interessant, dass jeder von ihnen mit meiner Krankheit anders umgeht, und jeder seine Stärken einbringt um mich zu unterstützen. Die eine hat gute Ratschläge, die andere packt einfach an, wieder eine andere nimmt mich einfach in den Arm ... ich bin wirklich dankbar für solch ein soziales Netz.

So, also jetzt ist alles gepackt und im Auto. Morgen um 6 Uhr Früh geht's los. Wir werden zwei bis drei Stunden fahren, je nach Wetter, und dann bin ich gespannt, was mich dort erwartet. Ich hoffe, ich bekomme ein Einzelzimmer. Ich bin zwar grundsätzlich ein geselliger Mensch, aber ich glaube gerade in so einer Situation ist es mir lieber, wenn ich einen Rückzugsort nur für mich alleine habe.

Im Internet sieht das ja alles ganz toll aus. In meiner Selbsthilfegruppe wurde mir auch schon einiges erzählt, Einzeltherapien, Gruppentherapien, Sport und Bewegung, Ernährungsberatung, Maltherapie, Tanztherapie.... ich habe fest vor, mich dort auf alles voll einzulassen und (neu) herauszufinden, wer ich bin, wer ich sein will und wohin ich gehen will.

Ich habe zwar große Angst davor, aber ich habe jetzt das Privileg, nochmal ganz von vorne anfangen zu dürfen, und diese Chance werde ich nutzen.

Ich sehe diesen Blog als Wegbegleiter aus meiner Krankheit hinaus in ein neues Leben hinein. Ich freue mich, wenn ihr mir dabei folgt

Ich werde euch regelmäßig berichten wie es mir geht und wie alles weitergeht. Begleitet mich auf einer spannenden Reise.

Allen da draußen, denen es vielleicht ähnlich geht, sollen meine Worte Trost spenden, Verständnis entgegenbringen und Hoffnung machen.

Ich habe Angst - aber ich freue mich auch auf (m)ein Abenteuer.

 

Alles Liebe,

eure Marie Valerie

1 Kommentar 8.2.15 21:23, kommentieren